Bein ab, ja und ?
  Schuhe und Prothesen
 

Vorwort: Grundproblematik 
Schuhe für Beinprothesen.

Einführung:

 

Ich habe meine Schuhe immer in normalen Schuhgeschäften gekauft,
was bedeutet, dass man die Schuhe im Laden probiert und über Teppichboden geht.
Waren sie dann im Geschäft akzeptabel, stellte sich dann aber oft heraus,
dass man mit ihnen schlecht über Steinboden oder Teer, Feldwege usw.
laufen kann oder die Sohle war zu hart, zu weich, zu rutschig …

Mein Hauptkriterum beim Schuhkauf war immer eine biegsame Sohle und geringes Gewicht. Ob ein Schuh rutschfest war, habe ich dann leider immer erst in der Praxis festgestellt. Die biegsame Sohle deshalb, weil so wenigsten der Abrollvorgang des Prothesenfußes nicht beeinträchtigt wird. Das ist allerdings erst in den letzten Jahren wichtig geworden, weil die Füße früherer Bauart kaum eine Eigendynamik im Abrollverhalten hatten.

Gewicht:
Durch den langen Hebel der Prothese ist das Gewicht eines Schuhes schon ein relevantes Kriterium. Man mag es einem Amputierten vielleicht nicht glauben, aber ob ein Schuh 100 gr. mehr oder weniger wiegt, macht sich beim Laufen sehr bemerkbar, weil jeden Gramm ja auch durch die Muskulatur des Stumpfes nach vorne bewegt werden muss.

Probleme von Beinamputierten mit normalen Schuhen,
Durch die leichte Bauart für normale Füße werden diese Schuhe durch Prothesenfüße gerade im Fersenbereich enorm belastet. Hier wirken die großen Seitenkräfte so sehr, das sich der Schuh nach kurzer Zeit verformt und dieser dann seitlich deformiert ist. Das bedeutet, dass der seitliche Halt verloren geht und auch damit die Führung des Prothesenfußes im Schuh.

Spätestens dann ist ein symmetrisches Abrollen des Fußes nicht mehr möglich und man kann den Schuh dann wegschmeißen
Ein zweiter Schwachpunkt ist die Sohle beim Fersenauftritts, die meisten Schuhe können diesen Druck nicht verteilen, das hat zur Folge das die ganze Dynamikkräfte der Schrittphase nur in die Laufrichtung zentriert wird. Dies wiederum hat zur Folge dass sich die ( meist geklebtes Sohlenprofil ) Sohle in diesem Bereich nach kurzer Zeit ablöst. Was zur auch wieder das Ende dieses Schuhlebens besiegelt.

Prothesenschuhe
Diese Schuhe haben im Vergleich zu normalen Schuhen die ähnlich aussehen, eine wesentlich robustere und festere Bauart. Besonders im Fersenbereich sind sie sehr verstärkt, was zunächst einen guten Eindruck macht. Die Verarbeitung ist hochwertig und die Sohle robust, mit leichtem Absatz. Das Profil unter der Sohle ist dem eines Wanderschuhes gleichzustellen und von grober Natur. Die Sohle lässt sich selbst mit großem Kraftaufwand kaum biegen.
Im Praxistest bewährten sich die augenscheinlichen Verbesserungen zu normalen Schuhwerk nicht. Durch die steife Sohle war ein harmonisches Abrollen des Prothesenfußes nicht möglich. Die Abrollphase beschränkte sich auf den Fersenauftritt und auf das Aufkommen im Vorfußbereich. Wie bei normalen Schuhen löste sich auch hier bei diesem Spezial-Prothesenschuh nach kurzer Zeit im Fersenbereich das Schuhprofil ab. Dies lässt den Schluss zu, dass diese Schuhe im Vergleich zu anderen Schuhen kaum biodynamische Eigenschaften haben.
Ein absolutes No-Go für diesen Schuh: Er ist nicht rutschfest und durch das fehlende Feedback, hervorgerufen durch die harte Sohle, entsteht eine erhöhte Sturzgefahr durch mögliches Ausrutschen auf feuchten Untergründen.

Grundproblem
Interessanterweise wurde ich in den letzten 3 Jahrzehnten, noch nie von einem Orthopädietechniker zu dem Thema Schuhe angesprochen oder gar beraten. Offensichtlich sieht man hierin auch keine Veranlassung, was für mich wiederum bedeutet, dass dem Schuhwerk von Seiten der Orthopädietechniker keine relevante Funktion/Größe im Gesamtkonzept der Beinprothese (Schaft, Gelenk, Prothesenfuß,) zugemessen wird. Durch meine eigenen Forschungen und Tests hat sich aber ein vollkommen anderer Status herausgestellt. Und zwar, dass die Schuhe einen nicht erkannten Stellenwert in der Prothesentechnik darstellen und letztendlich die Funktion der kompletten Prothesenkomponenten wesentlich beeinflussen und abrunden. Heute weiß ich, und es erscheint ja auch logisch, dass Schuhe biodynamische Eigenschaften eines Carbonfußes überhaupt nicht übernehmen können, wenn der Schuh selbst hart wie ein Brett ist.

Krankenkassen:
Schuhe für Beinprothesen, sind nicht im Hilfsmittelkatalog aufgeführt. Was bedeutet dass die Betroffenen, keine finanzielle Hilfen zum Erwerb von speziellem Schuhwerk erhalten. Obwohl es ja jedem einleuchtet, das durch Prothesen, Schuhe extrem belastet werden und einem wesentlich stärkeren Verschleiß unterliegen. Hier sollten die Krankenkassen nachjustieren, damit auch finanziell schwache Amputierte entlastet werden.

Fazit:
Die Schuhe sind das schwächste Bauteil im gesamt Konzept einer Prothesen-Versorgung! Was nützt mir ein 40.000,-- Euro Bionic-Kniegelenk, wenn der Schuh nicht die Eigenschaften des Hightech-Systems verarbeitet und somit nicht auf den Boden bringen kann?

Die relevanten Größen für einen prothesengeeigneten Schuh wären:

Feedback der Schuhe in jeder Gang- und Abrollphase

Dadurch mehr empfundene, subjektive Sicherheit (ganz wichtig bei frisch Amputierten).

Angenehmes weiches, unterstützendes Abrollverhalten

Keine zusätzlichen Belastungen durch harten Fersenauftritt.

Rutschfeste Sohle, auf jedweden Untergrund,  auch bei Nässe

 
   
 
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